Nagelstock für gesellige Leute

Nagelstock-Turniere sind auch schon ziemlich selten geworden. Was früher in allen möglichen Wirtshäusern fast schon an der Tagesordnung war, wird heute fast nicht mehr gespielt. Aber weil die Wirtsleute vom Emseea die alten Bräuche nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen, wurde einfach ein  Hackstock besorgt - und das gesellige Nageln wieder zum Leben erweckt. Wie wär's mit einer Runde?

Nagelstock beim Emseea

Zeitgeist hin oder her - ein Nagelstock wie in alten Zeiten musste her

Woran das liegt, kann nicht genau gesagt werden. Aber der Zeitgeist bringt es halt manchmal so mit sich, dass alles, was früher einmal angesagt war, heute einfach "nichts mehr ist". Möglicherweise vielleicht deshalb, weil so ein rustikaler Baumstumpf nicht mehr in die schön eingerichteten Gaststuben passt?

Oder weil schlicht und einfach halt nicht genagelt werden kann, wo kein Hackstock zum Nageln ist? Das wird es wohl sein. Wie auch immer - in jedem Fall schade eigentlich, dass diese Art von Zeitvertrieb im Wirtshaus in Vergessenheit geraten ist. 

Genau das war uns vom Emseea ein Grund mehr, sich wieder verstärkt auf Bewährtes aus der Vergangenheit zu besinnen. In geselliger Runde ein paar Nägel zu nageln, ist jedenfalls mit Sicherheit unterhaltsamer als das verbissene Wischen übers Smartphone. 

Nagelstock-Turnier statt Smartphone-SpielenQuelle: natureaddict | Pixabay

Der Nagelstock beim Emseea erfüllt daher durchaus auch einen sozialen Zweck. Und außerdem kann man sich ja vielleicht sogar das eine oder andere kostenlose Schnapserl ernageln. Oder einen Jägermeister, ein Rüscherl, etwas Bleifreies oder was auch immer. Allerdings kann man dann aber auch zum Zahler werden...

Gibt es Nagelstock-Regeln?

Gibt es überhaupt Regeln, wie die Nägel in den Hackstock gehämmert werden müssen? Auf den ersten Blick vielleicht nicht - ist ja ohnehin klar, dass jeder reihum immer nur einen Versuch hat und dann der Nächste dran kommt - und zwar so lange, bis der Erste den 100er-Nagel zur Gänze versenkt hat. Im Idealfall mit nur einem einzigen, gezielten  Schlag. 

Gibt es Nagelstock-Regeln?

Und wie geht es dann weiter? Normalerweise geht es bei einer ganz normalen Nagelrunde darum, einen Verlierer zu ermitteln - weil ja irgendwer die vereinbarte Runde zahlen muss. 

Im Gegensatz zum Nagelstock-Turnier, wo der Sieger in die nächste Runde aufsteigt, scheidet bei der allgemein bekannten Standard-Variante also ein Nagel-Versenker nach dem anderen aus - und diese "Nicht-Verlierer" dürfen dann nicht mehr weiter am Spiel teilnehmen.

Gespielt wird also normalerweise immer nur so lange, bis alle den Nagel versenkt haben und ein Verlierer feststeht. In diesem Fall gibt es also auch keine richtigen Sieger.

Wenn es um nichts geht, außer um das eventuell vereinbarte Runden-Zahlen durch den jeweiligen Verlierer,  muss das Nageln daher tatsächlich nicht wirklich ganz so ernst genommen werden wie zum Beispiel bei einem klassischen Nagelstock-Turnier. Bei so einem In diesem Fall sollten die Teilnehmer aber schon zumindest ein paar grundsätzliche Regeln vereinbaren, weil es hier ja immerhin darum geht, schlussendlich einen Sieger zu ermitteln - einen Sieger, der den vereinbarten Siegerpreis gewinnt.

Wer es genau wissen möchte, wie "richtig" genagelt wird, hier ein Beispiel, nach welchen welche Regeln bei einem Nagelstock-Turnier gespielt wird.

Nagelstock-Turnierregeln

Zuallererst. Solche Nagelstock-Turniere machen nur Sinn, wenn viele Spieler teilnehmen - zum Beispiel alle Teilnehmer eines Jahrgangs-Ausfluges, eine Geburtstagsrunde oder welche Gruppe auch immer.  

WENN es also darum geht, einen einzigen Sieger zu ermitteln, könnte beispielsweise nach diesen Regeln genagelt werden...

 ACHTUNG!  Egal, ob Nagel-Turnier oder Einfach-nur-so-Spiel: Das Nagelspiel wird ausschließlich auf eigene Gefahr der teilnehmenden Spieler gespielt.

Die Wirtsleute übernehmen daher grundsätzlich keine Haftung für eventuelle Verletzungen.

Emseea Nagelstock Turnier-Regeln

1.

Gespielt wird mit dem vom Emseeawirt zur Verfügung gestellten Maurerhammer sowie den beigestellten Nägeln. 

2.

Verwendet werden entweder ausschließlich 100er-Nägel oder 80er-Nägel, die nur vermeintlich leichter einzuschlagen sind, in Wirklichkeit aber einen kleineren Nagelkopf haben. 

Von wegen "Frauen-Nägel"...

3.

Es spielen jeweils mindestens zwei, höchstens aber nur so viele Spieler gegeneinander, wie bequem rund um den Nagel- bzw. Hackstock stehen können. Nehmen mehr Spieler teil, sind entsprechend mehr Gruppen zu bilden.

Wegen Verletzungsgefahr darf beim Schwung holen keinesfalls  in Zweierreihen hintereinander um den Holzstock gestanden werden.

4.

Derjenige, der zum Nageln eingeladen hat, übernimmt die Funktion des Schiedsrichters. Sofern es die Umstände nötig machen, kann aber auch ein anderer zum Schiedsrichter ernannt werden - natürlich auch ein Nicht-Mitspieler. . 

5.

Vor Spielbeginn setzen alles Spieler unter Aufsicht des Schiedsrichters reihum alle Nägel in den Holzstock - gerade so tief, dass der Nagel sicher steht.

6.

Gespielt wird im Uhrzeigersinn, der zum Schiedsrichter ernannte Spieler beginnt. Jeder Spieler schlägt einmal mit der schmalen Seite des Hammers auf den Nagel ein und gibt - sofern der Nagel nicht schon mit einem einzigen Schlag zur Gänze versenkt wurde - den Hammer an den nächsten in der Reihe weiter.

7.

Ein Schlag ist nur gültig, wenn der Hammer vor dem Schlag mit der schmalen Seite den Holzstock berührt und direkt aus dieser Position mit einem Schlag auf den Nagel geschlagen wird. 

Emseea Nagelstock-Regel 8

8.

 Ein mehrfaches oder wiederholtes Zielen ist nicht gestattet..

9.

Gespielt wird grundsätzlich immer nur so lange, bis ein Rundensieger feststeht. Sobald ein Gewinner feststeht, der den Nagel zur Gänze versenken konnte, ist die Runde beendet und der siegreiche Nagelversenker  steigt in die nächst Runde auf - alle anderen Spieler scheiden aus.

10.

Jeder Nagelspieler hat die gleiche Anzahl von Schlägen. Falls nach einer Runde Gleichstand besteht, muss diese Runde durch ein Duell zwischen den beiden Siegern ausgemacht werden.

11.

Der Nagel gilt als vollständig in den Holzstock eingeschlagen, wenn der Nagelkopfes auf allen Seiten mindestens mit dem umgebenen Holz abschließt und daher kein Fingernagel mehr unter den Nagelkopf passt oder noch tiefer im Holz steckt.

12.

Im Zweifelsfall gilt das Urteil des Schiedsrichters.

13.

Lose oder umgefallene Nägel müssen vom Teilnehmer wieder wie zu Beginn eingesetzt werden.

14.

Durch Fehlschläge verbogene Nägel dürfen nur unter Zuhilfenahme des Hammers gerade gebogen bzw. gerichtet werden.

15.

Sehr oder zu stark verbogene Nägel dürfen einmal durch einen neuen Nagel vom Spielteilnehmer ersetzt werden.

16.

Ein Spielers, der gerade im Begriff ist, auf den Nagel zu schlagen, darf von anderen grundsätzlich nicht abgelenkt werden. Dazu gehört auch, gegen den Stock zu treten.oder während des Schlages die Hände über dem Holzstock zu bewegen. 

Kommt es trotzdem zu einer Ablenkung, entscheidet der Schiedsrichter über eine Wiederholung des Schlages oder über oder eine Disqualifikation.

17.

Ein Spieler, der mehrfach auf den Nagel oder aber auch auf den Nagelstock einschlägt, wird disqualifiziert.

18.

Zufällige Treffer mit dem Stiel des Hammers werden ausnahmsweise toleriert.

19.

Erfolgt ein Schlag nicht mit der schmalen Seite des Hammers, sondern mit der breiten, wird der Spieler disqualifiziert

Zu viel Regeln? Dann wird wohl doch die am Anfang beschrieben Standard-Variante die bessere Wahl sein. was in einem Wirtshaus wie dem Emseea ohnehin lustiger ist, weil mehr Runden ausgespielt werden und daher auch öfter etwas "zur Stärkung" getrunken werden kann. 

 FAZIT:  Jede Nagelrunde kann die Spielregeln selbst nach Belieben festlegen. WENN diese Regeln von allen teilnehmenden Spielern auch anerkannt werden.

Worauf warten? Der Nagelstock beim Emseea ist längst bereit, von euch malträtiert zu werden. Und weil das Nageln so gut ankommt, gibt es jetzt auch im Gastgarten einen ziemlich großen Holzstock zum Draufhauen...